Werkstatt
Sind Flüsse Lebewesen?
Laufendes Projekt
«Flüsse sind nicht bloss Ressourcen, sondern lebendige Gebilde mit einer eigenen, komplexen Integrität.»
Robert Macfarlane
Wasser hat den Menschen seit jeher fasziniert, in vielen Kulturen gilt es als beseelt. Mich begleitet das Thema schon länger: im Wasserwesen, in der Flusskreatur für Holinger, in einer Ausstellung im Fotomuseum, in Robert Macfarlanes Buch Sind Flüsse Lebewesen? und zuletzt als simple Sinuswelle. Ein paar Zeilen Code, eine Linie, die sich bewegt und plötzlich war sie wieder da: meine alte Faszination für das Fliessende. In meinem neuen Projekt «Sind Flüsse Lebewesen?» frage ich nun, ob ein Fluss mehr sein kann als Wasser in Bewegung.
Der britische Autor Robert Macfarlane fragt in seinem Buch Sind Flüsse Lebewesen? (Ullstein, 2025), ob Flüsse besser geschützt wären, wenn wir sie als lebendige Wesen begreifen würden. In der SRF-Sendung Sternstunde Philosophie vom 12.10.2025 «Robert Macfarlane – Warum sind Flüsse Lebewesen?» wird mit Hilfe einer tollen Flusskarte der Schweiz aufgezeigt, wie Flüsse unsere Umgebung prägen. (Ansicht bei Minute 11:31.)
Dabei kommt mir eine Ausstellung in den Sinn, die mich vor Jahren stark beeindruckt hat: «Hui He – Alles im Fluss» von Andreas Seibert in der Fotostiftung Schweiz (2012/13). Seibert folgte dem rund 1000 Kilometer langen Huai-Fluss in China von der Quelle bis zur Mündung. Seine Bilder zeigen ein Gewässer, das kaum noch Leben spendet, sondern vergiftet ist. Was Macfarlane den «sterbenden Fluss» nennt, wird hier sichtbar.